Der beste Wunsch: Besser kein Kinderwunsch

(Viele Eltern vor allem in dichtbevölkerten Gebieten mit hoher Geburtenrate müssen sich damit vertraut machen.)

Die größte Herausforderung an die Vernunft seit Menschengedenken.

Autor: Prof. Dr. Arnulf Burckhardt

Dieser Wunschsatz darf ohne eindeutige Bestimmung der Begriffe und Absichten so nicht stehen bleiben.

Seit Jahrhunderten haben sich Mediziner und Biologen, Politiker, Ökonomen, Journalisten und Schriftsteller sowie Rassisten, Erbgesundheitsforscher (Eugeniker), selbsternannte Eliten, Stiftungen und Konzerne mit Fragen des Bevölkerungswachstums befasst (vgl. Frey, M.: Zur Genese des globalen Diskurses über Bevölkerung seit 1945. Zeithistorische Forschungen Heft 1-2, 2007).

Die reichen Staaten und diverse Stiftungen vor allem aus den USA richteten ihren wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Einfluss hauptsächlich auf die Begrenzung der Zahl der Armen in den bevölkerungsreichen »Ländern der dritten Welt« anstatt auf die ökonomische Stärkung dieser Länder. »Fünf gegen das Wachstum der Bevölkerung investierte Dollar sind wirksamer als hundert für das Wirtschaftswachstum investierte Dollar« (US-Präsident Lyndon B. Johnson).

Strategien und Maßnahmen mit sehr unterschiedlichen Zielstellungen wurden entwickelt: »Sozialdisziplinierung« durch Unfruchtbarmachung von Frauen aus sozial schwachen Schichten, koloniale und neokoloniale Biopolitik, massiver staatlicher Druck zu Massensterilisation und Abtreibungen in China (Ein-Kind-Familie) und in Indien, Geschlechtsbestimmung des Embryos garantiert schließlich einen Sohn, wenn weibliche Embryos vorher abgetrieben werden, Propagierung der Kleinfamilie westlicher Prägung als Ideal u.a.m.. Dort, wo in männerdominierten Gesellschaften mit Sohnpräferenz weibliche Embryos selektiert wurden, kam es zu einem Frauenmangel, der zu einer weiteren Herabwürdigung der Frauen zum Wertobjekt und zur Ware führte, die gewinnbringend veräußert oder kollektiv ausgebeutet werden konnte.

Die begangenen Fehler und Verbrechen dürfen sich in keiner Form und Variante wiederholen; sie müssen in der Praxis sicher und rechtsverbindlich ausgeschlossen werden. Die individuelle Familienplanung ist ein Menschenrecht (UN-Menschenrechtskonferenz New York 1968). Das ungelöste Problem der Übervölkerung mit allen negativen Folgen bleibt also.

1. Die Vernünftigen müssen zwar alles im Auge behalten und aktiv bleiben, sich aber offenbar auf Schwerpunkte konzentrieren, um wirksamer zu werden. Aus der Vielzahl der Aufgaben (s. »Vernunftregister.de«) stehen zwei Schwerpunkte mit Mehrfachwirkung deutlich an vorderster Stelle:

Erstens: Die Vermeidung von Kriegen und bewaffneten Konflikten jeder Art, verbunden mit einer kontrollierten und damit wirksamen Abrüstung.

Zweitens: Die drastische Reduzierung der Geburtenrate vor allem in Entwicklungsländern. Auch Deutschland kommt mit weniger Menschen gut aus und braucht keine Schwangerschaftspropaganda.

2. Frieden und Abrüstung genießen weltweite Aufmerksamkeit der Völker, wenn auch die Bemühungen bei weitem nicht ausreichen. Dieser Schwerpunkt bleibt an erster Stelle, denn sollte es einen Krieg geben, wird das Überleben der Menschheit in Frage gestellt.

Was die Reduzierung der Geburtenrate betrifft, so scheuen sich viele Staaten, die Religionen und Teile der Öffentlichkeit, dieses Problem überhaupt anzusprechen, obwohl ein spürbarer Geburtenrückgang segensreiche Auswirkungen auf alle Lebensbereiche einschließlich der Umwelt haben würde und eine Frage des Überlebens der Menschheit ist.

3. Einige wenige Politiker und zunehmend Fachleute und investigative Journalisten, die sich mit dieser Problematik befassen, kommen zu vernünftigen Schlussfolgerungen. So Kubicki (2019): »Sollte die UN-Prognose stimmen, dass wir bis zum Jahre 2100 deutlich über elf Milliarden Menschen auf der Erde haben – derzeit sind es etwa 7,7 Milliarden –, verfehlen wir zwangsläufig sämtliche Pläne zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes.« (Kubicki, W.: Der erste Schritt zur Rettung des Klimas? Das Bevölkerungswachstum drosseln! www.welt.de/ article 193441283, 13.5.2019)

Die einzige mit friedlichen Mitteln erreichbare, mit gewünschter Mehrfachwirkung verbundene und kostengünstige Lösung für die meisten Weltprobleme ist die drastische Reduzierung der Geburten, vor allem in den Entwicklungsländern. Die Spezies Mensch, die schwere Fehlentwicklungen auf der Erde verursacht, muss sich wieder zurücknehmen, zügig und geordnet.

Geschieht das nicht, und fehlen weiterhin der politische Wille und die gesellschaftliche und persönliche Bereitschaft, dann wächst die Weltbevölkerung weiter und entfernt sich immer mehr vom sogenannten Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day), dem Tag des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt. 2019 war das der 29.7. (s. Global Foodprint Network, vgl. Wackernagel, M. und Beyers, B.: Foodprint. Die Welt neu vermessen. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2016). Daneben fallen auch die nichterneuerbaren (nicht nachwachsenden) Rohstoffe erheblich ins Gewicht, bei denen die Geschwindigkeit ihres Verbrauchs die Geschwindigkeit ihrer Regeneration – soweit überhaupt gegeben – übersteigt. Dazu gehören organische Rohstoffe, metallische Rohstoffe, Gesteine, Sedimente, Salze. Die »Reichweite« dieser Rohstoffe ist meist endlich. Damit

  • steigt der unwiederbringliche Verbrauch an Ressourcen weiter,
  • wird der Tod sehr vieler Menschen – vor allem Kinder – durch Mangelernährung, Krankheiten, Verteilungskämpfe, Klimafolgen, Migrationszwänge u.a. in Kauf genommen,
  • werden die Auswirkungen der Erderwärmung voraussichtlich größer ausfallen und immer mehr Menschen in immer kürzerer Zeit bedrohen und vernichten,
  • wird das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihren Körper weiter mit Füßen getreten und die Rolle vieler Frauen auf das Gebären von Kindern festgelegt,
  • wird das Artensterben und die Vermüllung der Erde und der Weltmeere weiter steigen.

Obwohl diese Probleme Jahrzehnte lang bekannt sind, hat es die männlich dominierte Gesellschaft nicht vermocht, die menschliche Population in ein vernünftiges Verhältnis zu den verfügbaren Ressourcen zu bewegen. Es ist hoch an der Zeit, dass die Frauen endlich die Rolle ausfüllen, die ihnen in diesem Prozess natürlicherweise zukommt, nämlich zusammen mit verbündeten Männern ein solches vernünftiges Verhältnis herzustellen.

Vielleicht kann man noch die Jungfrau Greta überzeugen – und das ist ernst gemeint –, auch dafür zu kämpfen, dass durch »everydays for future« weniger Kinder in die Welt gesetzt werden. Letztlich würde das ihrem Anliegen in hohem Maße gerecht werden, sie hätte weiterhin weltweite Aufmerksamkeit für sich, und viele Menschen würden dann hoffentlich nachdenken. Man könnte teilweise sogar die gleichen Losungen verwenden.

4. Wenn viele Frauen in der Lage wären, die Vorgänge in ihrem Körper zu verstehen und zu beherrschen, Zugang zu bezahlbaren, besser kostenlosen Verhütungsmitteln hätten und kein moralischer Druck – gleich von wem und in welcher Form – auf sie ausgeübt würde, dann würden sie sicher nicht mehr die Rolle einer passiven Empfängnis ausüben, sondern ein selbstbestimmtes Leben führen wollen.

Manche Mütter können für den Lebensunterhalt eines Kindes sorgen, wenn sie in dauerhaft lebenswerten Gegenden wohnen. Andere oft alleinerziehende Mütter können das nicht, denn ihr Kind, vielleicht nicht einmal das einzige, müsste täglich essen und sauberes Wasser trinken, wohnen, in die Schule gehen und gesundheitlich betreut werden können, später in einem Heer von Erwerbslosen Arbeit finden, für seinen Lebensunterhalt bis ins Alter sorgen, in einer immer lebensfeindlicheren Umwelt zurechtkommen, notfalls emigrieren und in Verteilungskämpfen überleben.

Die Lebensbedingungen für heute geborene Kinder werden nicht besser, sondern immer schlechter, je mehr geboren würden.

Jede Frau hat es in der Hand, zukünftiges Leid zu verhüten oder wenigstens zu lindern, so viele Generationen lang, bis die Erde wieder für alle Kinder lebenswert wird. Das wird viele Generationen dauern.

5. Die Religionen (vor allem Katholizismus, Islam und Hinduismus, auch manche Naturreligionen) und alle einflussreichen Personen (von Politikern über Stammesführer bis zu den sogenannten Familienoberhäuptern), die Schwangerschaftsverhütungen und Abtreibungen verbieten oder moralisch verteufeln, sind laufende und geölte Maschinen für den Untergang der Welt. Den Abtreibungsgegnern in Politik und Religion kann und darf nicht geglaubt werden, wenn sie behaupten, sie wollten die Schöpfung bewahren, denn wenn sie nur nachdenken würden, fiele es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie müssten erkennen, dass sie das Gegenteil tun, denn sie tragen dazu bei, langfristig das Ergebnis der von ihnen angenommenen Schöpfung auf der Erde zu vernichten, sehenden Auges und grausam.

6. Vor den Vernünftigen stehen eine einmalige und gigantische Aufgabe und eine gewaltige Herausforderung, an der sich die Vernunft messen lassen muss.

Die Weltbevölkerung lag nach »UN World Population Prospects, the 2008 Revision«, in den Jahren

  • 2019 bei 7.594.654
  • 1987 bei 5.039.478
  • 1971 bei 3.760.016 (3.773.365) Menschen.

Ziel für das Überleben der Menschheit sollte es sein, wieder in das Gleichgewicht zwischen dem global zur Verfügung stehenden Weltressourcenverbrauch einerseits und der Weltbevölkerung andererseits zu kommen. Legt man die Rechen - und Bewertungsmethode des Global Foodprint Network zugrunde, wäre das ein Verbrauch von einer Erde-Einheit. Ab 21.12.1971 soll der jährliche Verbrauch die global zur Verfügung stehenden Ressourcen überstiegen haben. Das entsprach 1,1 Verbrauch an Erde-Einheiten. Der sogenannte Erdüberlastungstag, der erstmals 1987 berechnet worden ist, lag

  • 1971 am 21.12. (entsprach 1,01 Verbrauch in Erde-Einheiten)
  • 1987 am 15.12.
  • 2019 am 29.7., das entspricht etwa dem Verbrauch von 1,75 Erde-Einheiten. Wir leben so, als gäbe es 1,75 Erden, und nicht nur eine.

Um wieder ins Gleichgewicht zwischen einerseits dem global zur Verfügung stehenden Weltressourcenverbrauch und andererseits der Weltbevölkerungszahl zu kommen, muss nicht nur der Zuwachs der Weltbevölkerung von 78 Millionen Menschen im Jahr (Population Division oft the Department of Economic and Social Affairs of the UN Secretariat 2012) beendet werden, sondern die Weltbevölkerung muss sich, vom heutigen Tage an gerechnet, um mindestens 2 bis 3 Milliarden zurücknehmen. Selbst wenn die Zahlen und Berechnungsmethoden den Zustand nicht mit letzter Genauigkeit erfassen können: die Fakten und die Dimension des Problems bleiben. Es ist unmöglich, das Problem kleinzureden.

Ursprünglich sollten Weltbevölkerungskonferenzen der UNO im Abstand von 10 Jahren stattfinden. Starke Beachtung fand die Konferenz in Kairo 1994; es sollte allerdings für 25 Jahre die letzte sein, denn es wurde entschieden, die Bevölkerungsfragen in die Beratungen der Generalversammlung der UNO einzugliedern. Die 1994er Konferenz verabschiedete ein Aktionsprogramm, das u.a. vorsah, bis zum Jahre 2015 allen Menschen Zugang zu Sexualaufklärung, Empfängnisverhütung und Familienplanung, zum Schutz vor HIV sowie zur Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt zu ermöglichen. Die Frage sei erlaubt, welche Kräfte weitere Weltbevölkerungskonferenzen verhinderten und weshalb sie das taten. Diese Position zu korrigieren wird höchste Zeit. Gelingt das auf der Konferenz im November 2019 in Nairobi?

7. Es wird wohl kaum einen Leser geben, der nicht fragt, wie denn die Verminderung der Geburtenrate funktionieren soll. Wenn es drauf keine vernünftigen Antworten gibt, die auch praktikabel sind, ist die Konzeption der Geburtenreduzierung nicht das Papier wert, auf das sie geschrieben und gedruckt wurde.

Die Skeptiker:

Viele junge Paare wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Manche kinderlose Paare suchen verzweifelt die Hilfe von Fortpflanzungsbiologen, um mittels künstlicher Befruchtung wenigstens ein Wunschkind zu erzeugen. Das Geschäft mit Leihmüttern blüht illegal. Viele Eltern betrachten Kinder als Altersversorgung und hoffen, dass unter der großen Kinderschar später wenigstens einer darunter ist, der die Familie ernähren kann. Wenn die Zahl der Kinder zurückgeht, wer soll dann das Geld für die Altersrenten erwirtschaften? Bei manchen Völkern gilt Kindersegen noch als Reichtum und verschafft Ansehen. Hartnäckig hält sich die unsinnige Tradition, eine Frau sei erst etwas wert, wenn sie ihrem Mann einen Sohn geboren hat. Andere frönen noch dem Ahnenkult und hoffen, dass »ihr Blut« oder ihre Gene weitergegeben werden, damit ihr Stammbaum erhalten bleibe und weiter Früchte trage.

Und da kommt ein Verrückter daher und will das Kinderkriegen verbieten? Nein, so ist es nicht. Wer Kinderkriegen verbieten wollte, würde kläglich scheitern, denn Fortpflanzung ist offenbar Teil der genetischen Ausstattung des Menschen zur Sicherung der Arterhaltung. Die Erwartung, man könne die Menschheit davon überzeugen, das Kinderkriegen von heute auf morgen einzustellen oder drastisch einzuschränken, wäre wirklichkeitsfremd.

So wird die Reduzierung der Geburtenrate als komplexes Menschheitsvorhaben erfolgreich sein können:

Erstens:

Menschen funktionieren nach genetisch verankerten biologischen Gesetzmäßigkeiten. Ähnlich wie bestimmte andere Lebewesen sind sie in der Lage, ihre Vermehrungsrate dem Nahrungsangebot bis zu einem gewissen Maße anzupassen. Die Anpassung kann nach zwei Richtungen erfolgen. Verschlechtern sich die Lebensbedingungen und das Nahrungsangebot, sinkt in der Regel die Fortpflanzungsrate. Sie kann aber auch steigen, wenn damit die Gefährdung der Arterhaltung verhindert bzw. ausgeglichen werden soll. Verbessern sich die Lebensbedingungen, entfällt der biologische Druck zur Arterhaltung und die Vermehrungsrate kann zurückgehen.

Zweitens:

Die Staaten, die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft werden ihre Aufklärungsarbeit, ihre massenwirksame Propaganda und ihre sozialen Maßnahmen viel stärker auf den Rückgang der Übervölkerung der Erde ausrichten müssen. Es ist hoch an der Zeit, dass die bereits bestehenden Organisationen, die sich mit dem Bevölkerungswachstum und mit Bevölkerungspolitik befassen, aktiver werden, ihre Bemühungen koordinieren und die UNO auf diesem Gebiet endlich ihre Aufgaben wahrnimmt. Die wichtigsten Fundamente, auf die sich der komplexe Bevölkerungsumbau stützt, sind Bildung und Weiterbildung, Aufklärung, Alterssicherung, weltweite staatliche und gesellschaftliche Unterstützung und wissenschaftlicher Fortschritt. Nur dann werden die zu vernünftigen Entscheidungen befähigten Menschen die Reduzierung ihrer Geburtenrate als erstrebenswert, moralisch gerechtfertigt und im Interesse der Menschheit als notwendig erkennen.

Das Gewicht und die Dringlichkeit einer freiwilligen Verminderung der Geburtenrate, die sozial unterstützt wird und die keineswegs selektiv erfolgen darf, drängen zu einer

Vertiefung der Argumente,

genauso wie die grauenvolle, bornierte und dumme Ignoranz großer Teile der Bevölkerung gegenüber diesem Menschheitsproblem entlarvt werden muss. Und natürlich bedürfen die Menschen größtmöglicher Unterstützung, deren Kinderreichtum auf fehlende Aufklärung, auf Ungleichbehandlung und Unterdrückung von Frauen und großer Not und Armut zurückzuführen ist.

Es gehört zu den Aufgaben von seriös arbeitenden Wissenschaftlern, von internationalen zwischenstaatlichen Organisationen, von Denkfabriken, von sachorientiert arbeitenden Abteilungen der Geheimdienste und von anderen der Sachkunde verpflichteten Organisationen, die Risiken dieser Welt zu analysieren und den Entscheidungsträgern in fasslicher Form aufbereitet vorzulegen. Dies geschieht vielfach und wird der Öffentlichkeit auch meist durch Publikationen zugänglich gemacht.

Je mehr die Erdbevölkerung wächst, desto größer werden ihre Einflüsse auf die Erde und die Menschen selbst. Zusammengefasst sind das:

Artensterben

Artenverschleppung

Klimawandel territorial/auf dem Festland

  • Abschmelzen der Polkappen
  • Abschmelzen von Gletschern
  • Degradation von Böden (Versteppung, Desertifikation)
  • Rückgang von Permafrost

Folgen des Klimawandels für die Weltmeere

  • Anstieg des Meeresspiegels
  • Versauerung der Meere, Zunahme des Kohlendioxidgehalts der Erdatmosphäre
  • Korallenbleiche
  • Veränderung von Meeresströmungen
  • Veränderung des Sauerstoffgehalts

Übernutzung oder Verlust zur Verfügung stehender Ressourcen

  • Globaler Verlust landwirtschaftlich genutzter Böden. Die weltweite Konkurrenz um verbleibende nutzbare und wertvolle Flächen treibt die Preise für Pacht und Kauf von Land in die Höhe
  • Zeitpunkt der weltweit maximalen Förderrate von Erdöl scheint erreicht zu sein (Peak Oil)
  • Endlichkeit des Abbaus von Metallen, Nichtmetallen, Mineralien und seltenen Erden weltweit
  • Übernutzte Sandgewinnung
  • Überfischung von ca. 30% der Fischbestände weltweit

Umgestaltung großer Landflächen: Umwandlung von Naturflächen in landwirtschaftliche Kulturflächen, Bergbau (vor allem Tagebau), menschengemachte Strukturen wie Verkehrswege und Bauwerke

Umweltverschmutzung

  • Gewässerverschmutzung
  • Luftverschmutzung (Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan, FCKW, Distickstoffmonoxid), radioaktiver Staub
  • Vermüllung, insbesondere Plastikmüll

(Vgl.https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anthropozän&oldid=192226068 vom 13.9.2019)

Die Auswirkungen der gegenwärtig vorhandenen und der wachsenden Erdbevölkerung sind mit den zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden von einer Vielzahl von Autoren gemessen und bewertet worden. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Dabei sind die Gefahren durch die auf der Erde vorhandenen und im Weltraum stationierten militärischen Kräfte und Mittel, darunter Kernwaffen, noch nicht einmal erwähnt. Unsere Epoche ist als ein Zeitalter charakterisiert worden, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. Man hat diese Epoche als Anthropozän bezeichnet. Die Charakteristik bedarf einer Ergänzung, wenn sie die wesentlichen Merkmale der Epoche beschreiben will:

Der zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren gewordene Mensch korrigiert seine eigene biologische Bevölkerungsentwicklung nicht und bringt sie nicht in Übereinstimmung mit den auf der Erde verfügbaren Ressourcen.

Über das Wachstum der Weltbevölkerung hat sich Stephen Hawkin geäußert: »In den vergangenen 200 Jahren wurde das Wachstum exponentiell, das heißt, die Bevölkerung nimmt jährlich um denselben Prozentsatz zu. Momentan liegt die Rate bei jährlich ungefähr 1,9 %. … Die gegenwärtige Wachstumsrate darf sich … in unserem Jahrtausend keineswegs fortsetzen. Im Jahr 2600 würde die Weltbevölkerung Schulter an Schulter stehen und der Stromverbrauch ließe den Globus erglühen.« (Hawking, St.: Kurze Antworten auf große Fragen. Klett-Cotta 2018, S. 177/78)

Es wird alles schnell gehen,

wenn etwas knapp zu werden beginnt. Allgemeine Erscheinungen und Handlungsmuster sind dann: Verteuerung der knappen Güter. Diverse anfangs noch befürwortete, erträgliche und teils noch hingenommene Einschränkungen für die Betroffenen. Suche nach Alternativen. Zwang zur Sparsamkeit im Umgang mit den knappen Ressourcen.

Tauschhandel, Schwarzmärkte und Korruption blühen auf. Derjenige macht Gewinn, der die knappen Güter besitzt oder besorgen kann, während derjenige verlustreich auf dem Markt ist, der die knappen Güter und Leistungen braucht, mitunter sogar zum Leben benötigt. Tauschgegenstand kann fast alles sein: Naturalien, Wertsachen, Rohstoffe, Arzneimittel, ärztliche Behandlungen, persönliche Dienstleistungen, Getränke usw..

Es setzt ein zunehmend rücksichtsloseres Wettrennen um die knappen Güter und Leistungen ein, an dem sich Zivilpersonen, Händler und andere Gewerbetreibende, Unternehmen und internationale Konzerne beteiligen. Die Schwächeren bleiben auf der Strecke.

Anstieg der Einzel- und Bandenkriminalität

Gerüchte werden in Umlauf gesetzt. Panik bricht hier und da aus. Es kommt zu Aufständen der Bevölkerung. Die Staatsmacht einschließlich Militär versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, notfalls mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Versuche, gewaltsam in den Besitz von knappen Gütern zu gelangen; Kriegsgefahr.

Bei Mangel an lebenswichtigen Gütern Todesfälle bis Massensterben.

Trifft die Verknappung auf eine ständig größer werdende Bevölkerung, werden die Auswirkungen immer krasser.

Was geschieht bei der Verknappung einzelner Güter, von denen nur Treibstoffe, Lebensmittel und Trinkwasser herausgegriffen werden sollen.

Bei Treibstoffen (Öl, Erdgas, Uran): Verteuerung des Personen- und Güterverkehrs und der Energiekosten. Umstellung der Lebensgewohnheiten der Betroffenen. Korrekturen in der Standortverteilung bei der Produktion von Gütern unter Berücksichtigung der Transportwege. Zunahme des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Rückgang der an den Verbrauch von Treibstoffen gebundenen Globalisierung in Verbindung mit neuen Möglichkeiten, die nicht von Treibstoffen abhängig sind. Ersatz von Erdölprodukten (z.B. Plaste).

Haltbare Lebensmittel werden gehamstert und gehortet, bis die Regale leer sind. Importe von nicht einheimischen Lebensmitteln gehen zurück. Die Abgabe und der Verbrauch von Lebensmitteln werden rationiert. Diebstähle, Plünderungen und Lebensmittelfälschungen nehmen zu. Naturalien aus landwirtschaftlicher und gärtnerischer Nutzung gewinnen an Bedeutung, ebenso wie alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Man besinnt sich wieder auf Naturprodukte. Selbstversorgungsbemühungen von Ländern, Regionen und Personen. Wer keine Lebensmittel erhält oder sich besorgt, hungert. Mangelerkrankungen insbesondere bei Kindern nehmen zu.

Mangel an Trinkwasser dürfte für die Betroffenen die größten negativen Auswirkungen haben, bereits dann, wenn die Zufuhr von Wasser nachlässt. Deshalb ist die grundsätzlich bei allen Ressourcenverknappungen notwendige Ursachenforschung bei Trinkwassermangel besonders wichtig und dringlich. Süßwassermangel treibt Menschen und Vieh dorthin, wo es noch Wasser gibt und der Anbau von Feldfrüchten möglich ist. Ohne Wasser ist Leben nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Großstädte kollabieren, wenn sie nicht täglich mit ausreichend Wasser versorgt werden können. Betrifft der Wassermangel größere Landstriche, wird es eine Migration der Menschen aus den betroffenen Gebieten geben, in denen sie nicht mehr vegetieren können.

Würde man die als Beispiele herausgegriffenen drei Faktoren isoliert voneinander untersuchen, werden die menschheitsbedrohenden Entwicklungen, die teilweise schon eingetreten sind, nur ungenügend sichtbar. Der Verlust von Ressourcen, der Klimawandel, die Umgestaltung großer Landflächen, die Umweltverschmutzung und das Artensterben treten nicht einzeln und isoliert voneinander auf, sondern wirken zusammen, kumulieren teilweise und beeinflussen das Leben auf der Erde existenziell.

Einen vorübergehenden und vergleichsweise geringfügigen Testlauf konnte jeder in Gestalt der COVID-19-Pandemie studieren und persönlich erleben. Vorübergehend und geringfügig waren die Pandemie-Auswirkungen deshalb, weil sie nur einen einzigen Gefährdungsfaktor für die Menschheit betrafen: die weltweite (pandemische) Verbreitung einer übertragbaren Krankheit mit relativ geringen gesundheitlichen Auswirkungen. Der klinische Verlauf war meist harmlos, die Sterblichkeitsrate gering – im Vergleich zu der Pandemie der sogenannten Spanischen Grippe 1918 bis 1920 oder der Ebola-Epidemie 2014 bis 2016. Die negativen Auswirkungen von COVID 19 in den Jahren 2019/2020 konzentrierten sich auf Beschränkungen des Personenverkehrs und die Unterbrechung von Lieferketten infolge Produktions- und Dienstleistungsausfällen. Die Folgen waren global spürbar, da die Wirtschaft und der Personenverkehr nicht vorbereitet und störanfällig waren. Standortwahl, Konzentration und teilweise extreme Spezialisierung der Produktion erfolgten ausschließlich unter dem Blickwinkel der Profitmaximierung und weniger unter Beachtung territorialer Versorgungssicherheit. Die Staaten, die Wirtschaft und die Medien gebrauchten bereits das Vokabular von »kriegsähnlichen Zuständen«, obwohl die Situation überhaupt nichts mit einem Krieg zu tun hat. Es gibt aber nicht den geringsten Zweifel, dass Militär und Zivilschutz die Entwicklung sehr aufmerksam verfolgen, vorrangig unter den Gesichtspunkten des Verhaltens der Bevölkerung in kritischen Situationen und des Schutzes der eigenen Bevölkerung und der eigenen Kräfte. Aus den USA wird von langen Schlangen vor den Waffenverkaufsläden berichtet (März 2020).

Wohin wird das führen?

Wie werden sich die Menschenmassen bei länger andauernden Verknappungen der Ressourcen verhalten?

Wie werden sie sich verhalten, wenn die länger dauernden Schadwirkungen immer weiter fortschreiten?

Wahrscheinlich wird die Mehrzahl der Menschen versuchen, nach den genetisch verankerten Grundsätzen von Bedarfsdeckung und Schadensvermeidung zu handeln, also die Grundbedürfnisse essen, trinken, schlafen und geeignete Behausung sichern. Konkurrenten werden abgewehrt.

Der Leser möge sich bitte selbst die Frage beantworten: Wie würde er sich in dieser Situation verhalten, wenn er Schüler der 10. Klasse (im Greta-Alter) / Lehrling oder Student / Bauer / Kindergärtnerin / Bürgermeister einer Großstadt / Chef eines Automobilkonzerns / Manager eines Großmarktes für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände / wäre?

Machen wir einen kleinen Zeit- und Gedankensprung. Was passiert, wenn Lebewesen gezwungen werden, in einem mit Lebewesen der gleichen Art überbesetzten begrenzten Raum leben zu müssen, ist experimentell an Ratten erprobt. Es sind Tierversuche beschrieben worden, in denen man ein Paar weiße Ratten in einen begrenzten Raum ausgesetzt hat und sich auf natürliche Weise vermehren ließ, ohne dass der Mensch eingriff. Bei der hohen Vermehrungsrate der Ratten war der Raum bald überfüllt. Die stärksten Ratten setzten sich gegen schwächere, kranke, ängstliche, also unterlegene nicht privilegierte Tiere, durch, vertrieben sie, verletzten sie oder bissen sie tot. Sie verteidigten den von ihnen beanspruchten Platz gegen jeden fremden Anspruch. Es zeigte sich folgendes Bild: »Große Sandflächen sind völlig frei. An anderen Stellen wimmelt es von doppelt und dreifach übereinander krabbelnden Tieren. Starke soziale Magnetfelder haben unverrückbare Kreise geschaffen. An mehreren Stellen kocht es in der Masse, wenn die Ratten an einem ihrer Artgenossen schmarotzen, was sozial zulässig ist. Hier und da liegen große Rattenmännchen in Kiesaufschüttungen und schlafen, eine freie Zone um sich, oder sie kopulieren hastig und unbeteiligt. Die kleineren Ratten sind fast alle irgendwie verstümmelt. Vollständige Schwänze sind selten, ebenso, dass ein Tier seine beiden Ohren hat. Trotz der automatischen Fütterung sind offenbar alle Tiere struppig, voller Ekzeme und unterernährt.« Der stechende Geruch von Rattenkot und Urin erfüllte die Luft. Es wird beschrieben, wie dem Beobachter des Tierversuches übel wurde und er in das Rattenbassin erbricht: »Ein Trupp von fünf weißen Spähern löst sich sofort von einer nahen Rattengemeinschaft – zwei Sekunden später laben sich hundert kreischende Ratten an dem Sojagericht …«.

Der Versuch wurde über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. In einigen Ländern beteiligten sich auch die Ministerien für Verteidigung und für Zivilschutz an der Finanzierung der Versuche. (Vgl. Jersild, P. C.: Djurdoktorn, 1973, deutsch: Die Tierärztin, Reclam 1975, S. 204/205)

Die Menschheit darf nicht in die Nähe eines rattenkäfigähnlichen Zustandes geraten. Dazu muss sie aber ihre Handlungsfreiheit wiedergewinnen.

Wenn man die Erde mit all ihren wunderbaren Ressourcen als einen Käfig betrachtet (das klingt nicht gut, aber es soll ja nur ein virtueller Vergleich sein), und darin leben, denken, arbeiten und vor allem vermehren sich ungehemmt die Menschen, dann geht es ihnen irgendwann so ähnlich wie den Versuchsratten. Es sei denn, sie nehmen sich zurück und schränken ihre Geburtenraten so lange ein, bis sie inmitten einer intakten Umwelt wieder genügend Raum haben, ohne die wieder wunderbaren Ressourcen ihres Käfigs zu erschöpfen. Dann haben sie ihre Handlungsfreiheit zurückgewonnen, um sie hoffentlich nie wieder zu verlieren. Wenn die Menschen ihre Handlungsfreiheit zurückgewinnen würden, dann hätten sie sich die notwendige Ausgangsposition für ihre weitere Entwicklung verschafft, die in ein Zeitalter führen könnte, in dem die Menschen infolge ihrer gigantischen wissenschaftlich - technischen Leistungen in einem sicheren Leben in Harmonie mit den auf der Erde zur Verfügung stehenden Ressourcen zu Hause sind. Geht es aber nach den selbsternannten Moralpredigern und falschen Schöpfungsethikern, die Schwangerschaftsverhütung und -unterbrechung möglichst verbieten wollen, so bleiben wir ewige Ratten.

Das Volk will Brot und Spiele (panem et circenses)

Seit der spätrömischen Gesellschaft hat sich an dem Bestreben der Herrschenden, das Volk mit Brot und Spielen ruhig zu stellen, nicht sehr viel geändert. Gegenwärtig wird die Bevölkerung in einigen Ländern unruhig, weil für manche Bevölkerungsschichten das Brot knapp wird und ein Teil der Bevölkerung merkt, dass sich vieles verändert und manches in Unordnung geraten ist. Die Herrschenden haben nicht mehr alles im Griff. Botschaften vom nahenden Klimawandel trüben die Freude an den Spielen.

Angesichts dieser Nachrichten besteht Handlungszwang. Und es wird gehandelt, ja teilweise gibt es eine wahre Explosion von Handlungen, Konzeptionen und Empfehlungen mit der Absicht zur Vermeidung und Minderung von Risiken und Schäden. Manche Aktivitäten tragen fast Züge einer Massenhysterie im Bestreben, etwas Gutes zu tun. Der Bevölkerung wird oft das Gefühl vermittelt, sie könne mit kleinen persönlichen Verzichten einen Beitrag zur Weltrettung leisten. Dieses Bewusstsein trägt zur individuellen Beruhigung bei.

Aber listet man auf der einen Seite den beschlossenen oder beabsichtigten Katalog der vielen Umweltschutzmaßnahmen auf und stellt ihn auf der anderen Seite der Summe von Einflüssen des Menschen auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde gegenüber, so wird die Hilflosigkeit des Maßnahmenkatalogs gegen die Einflussgewalt des Menschen ganz offensichtlich. Es ist so, als würde man versuchen, mit einem Blasrohr einen heranrollenden Panzer aufhalten zu wollen.

In voller Kenntnis ihrer Unterlegenheit infolge der von der Menschheit benutzten Mittel und Methoden haben die Menschen die einzige ihnen verbleibende friedliche Kraft bisher völlig ignoriert: die – man kann es nicht oft genug wiederholen – Reduzierung ihrer Geburtenrate. Es ist eine wirksame Methode. Sie verwendet keine Waffen, benutzt nur Aufklärung, wissenschaftliche Erkenntnisse, ärztliches und gesundheitspflegerisches Können und Familienplanung, sie ist sofort einsetzbar und kostengünstig. Allerdings benötigt sie die Gleichberechtigung der Frauen und eine Reinigung der Religionen vom Müll des Mittelalters. Kein Ziel des Umweltschutzes wird erreicht ohne Reduzierung der Geburtenrate, selbst wenn es keinen Klimawandel gäbe und wenn es kein menschengemachter Klimawandel wäre.

Die Menschheit wird sicher nicht den Vorstellungen überlieferter Religionsgeschichte folgen. Danach hätte der Schöpfer vorhergesehen, dass der Mensch mit der ihm auf den Weg gegebenen Aufforderung: »Seid fruchtbar und mehret euch« und »Macht euch die Erde untertan und herrscht über alle Tiere«, maßlos, rücksichtslos, ohne Grenzen und ohne viel Vernunft umgehen wird. Er hat deshalb die Menschheit - Männer, Frauen und Kinder - bis auf wenige Auserwählte grausam ersaufen lassen, und den Auserwählten einen neuen Anfang ermöglicht, den sie, wie man heute sieht, wiederum nicht maßvoll und vernünftig genutzt haben. Deshalb erwartet auch sie als nächstes die schlimme Vorstufe des Weltgerichts.

Weshalb sehen die Religionen nicht den Weg der Umkehr von der Übervölkerung der Erde, hin zur Vernunft, vor? Inzwischen ist vielen Gläubigen klar, dass sie die Verantwortung für alle Fehlentwicklungen nicht auf den Schöpfer abladen können. Vernunft und Glaube schließen sich nicht grundsätzlich aus.

Was genau geschehen wird, wenn viele Ressourcen knapp werden und das Volk deshalb weniger Brot und Spiele bekommt, wissen wir nicht. Aber es gibt Anhaltspunkte.

Kriege, Hungersnöte, Auswirkungen von Katastrophen, Kalt- und Warmzeiten hat es in der Geschichte der Menschheit und der Erdgeschichte oft gegeben. Eine der verheerendsten Auseinandersetzungen in der europäischen Geschichte war der dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648. Wir wissen, was geschehen ist, und auch die Ursachen sind erforscht, jedenfalls so weit, um mit einiger Sicherheit brauchbare Schlussfolgerungen ziehen zu können. Schriftsteller haben einige dieser Ereignisse künstlerisch verarbeitet. Film und Fernsehen haben sich später in seriöser und unseriöser Weise dieser Materie dankbar angenommen.

In jüngster Zeit hat die 2010 begonnene Fernsehserie »The Walking Dead« (Die wandelnden Toten) die konstruierte Geschichte einer kleinen Gruppe Überlebender nach einer weltweiten Zombie-Apokalypse, was immer das auch sein mag, erzählt, die nun nach einer dauerhaften und sicheren Unterkunft sucht. Das einzig Bemerkenswerte an diesem zweifelhaften Fernsehwerk, das ursprünglich als Comic-Serie startete, ist die ernste Hintergrundlegende, die einer der Autoren folgendermaßen beschreibt: »Der Schwerpunkt liegt somit einerseits auf der Frage, wie sich die Menschen verändern, wenn ihnen ihr gewohntes Leben weggenommen wird und sie plötzlich um Dinge, die sie für selbstverständlich hielten, kämpfen müssen. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass die eigentliche Bedrohung nicht die Zombies oder Untoten sind, sondern die Überlebenden selbst, im Kampf um die verbleibenden Ressourcen.« (Yuen, W.: Pilosophy fort he Dead. S. VII-XV, in »The Walking Dead and Philosophy. Zombie Apocalypse Now. Chicago, Open Court Publishing 2012. https://wikipedia.org/w/index.php?title=The Walking Dead (Fernsehserie)&oldid=192917541)

Der Rückgang der Weltbevölkerung würde die Profite einiger Großunternehmen beeinträchtigen, die sich mit allen Mitteln dagegen zur Wehr setzen werden. Es wird nicht leicht sein, sie zu erkennen, denn sie werden nicht offen auftreten und die Maske der Humanität aufgesetzt haben. Wahrscheinlich gehören die Manager von Black Rock und die Vorstände der Ölkonzerne genau so dazu wie die Vordenker im Silicon Valley und die neoliberalen Verfechter der grenzenlosen Marktwirtschaft. Beeinträchtigt würde auch die Macht der Religions-Oberen.

Die Gegner des Rückgangs der Weltbevölkerung werden, milde ausgedrückt, versuchen, die Menschen gegeneinander auszuspielen. Aber irgendwann setzt sich die Erkenntnis durch, dass es keine Rolle spielt, ob im Käfig weiße, gelbe oder schwarze Ratten leiden, es bleiben alles Ratten.

Wir wissen nicht, wie sich der Rückgang der Weltbevölkerung konkret vollziehen wird.

Was die Gesamtheit der Einflüsse des Bevölkerungswachstums auf die Erde und die Menschen selbst betrifft, so sind bisher alle objektiv notwendigen wesentlichen Entscheidungen zur Ressourcenschonung nicht zum optimalen Zeitpunkt getroffen worden. Wenn überhaupt Entscheidungen dazu getroffen werden, kommen sie unter Druck zustande, ohne ausreichende Vorbereitung, ohne fundierte Planung der erforderlichen Kräfte und Mittel, ohne rechtzeitige sachkundige Information der Bevölkerung, bereits eingetretene Schäden hätten vermieden oder in ihren Auswirkungen gemindert werden können usw. Leider gehören zu den verspäteten Entscheidungen auch die bevölkerungspolitischen Maßnahmen und es steht zu befürchten, dass sie als »heißes Eisen« erst ganz am Schluss angepackt werden.

Es bleibt aber dabei: Der beste Wunsch über mehrere Generationen wird sein: kein Kinderwunsch. Selbst wenn heute noch für viele ein Kind das Liebste ist.

Milliarden Eltern vor allem in dichtbevölkerten Gebieten mit hoher Vermehrungsrate müssten sich damit vertraut machen.

Wer das nicht will, wird sich damit abfinden müssen, dass seine Nachkommen die ewigen Ratten sein werden.

Aber es bleibt immer ein unverzichtbares Gebot der Humanität und Menschenwürde: Wenn ein Mädchen oder Junge geboren werden, dann müssen ihnen Schutz, Fürsorge und Förderung der gesamten Gesellschaft sicher sein.

Leuchttürme und Körper als friedliche Waffen

Eine Bewegung lebt von Personen, die vorangehen:

Einzelne Frauen, einzelne Ehepaare und einzelne Männer erklären öffentlich ihre Absicht zur Kinderlosigkeit oder zum »nur-ein-Kind-Wunsch« und warum sie das tun.

Einzelne katholische Priester, einzelne Imame, und einzelne Rabbiner predigen, dass es nicht der Wille des Schöpfers sei, Menschen im Käfig der Übervölkerung sterben oder Elend erleiden zu lassen. Vielmehr habe der Schöpfer die Menschen mit Vernunft ausgestattet, damit er davon Gebrauch mache und seine eigene Fortpflanzung reguliere.

Die manchmal gescholtenen pharmazeutischen Unternehmen entwickeln bessere, wirksamere und nebenwirkungsfreie Mittel zur Schwangerschaftsverhütung und Schwangerschaftsunterbrechung, stellen sie billig, in ausreichender Menge und in guter Qualität her und betreiben vor Ort und weltweit entsprechende Werbung.

Ärzte, Apotheker und Gesundheitshelfer propagieren die Anwendung dieser Mittel und Methoden weltweit, oft gegen Widerstände, und unterstützen die Bevölkerung praktisch.

Selbst wenn keine oder nur wenige Personen vorangehen sollten, so kann doch jeder weibliche Mensch im fortpflanzungsfähigen Alter zusammen mit einem Menschen anderen Geschlechts seinen Körper in eine friedliche Waffe der Vernunft verwandeln und kein Kind oder nur ein Kind zeugen. Solchen Waffen ist auf die Dauer niemand gewachsen. Die Unvernunft wird gewaltlos bezwungen.